Wir sind seit 30 Jahren eine feste Größe im deutschen Markt für strategische Kommunikation. Im Lauf unserer Firmengeschichte haben viele Kolleg:innen in Unternehmen, Verbände, Institutionen, Start-ups oder andere Beratungen gewechselt. Zu vielen von ihnen pflegen wir seit Jahren kollegialen, freundschaftlichen Kontakt. Ab jetzt fragen wir alle sechs Wochen eine:n von ihnen: Was beschäftigt dich derzeit? Was sind deine Themen?
Dieses Mal beantwortet unsere ehemalige Kollegin Silke Schilz unsere Fragen. Nach mehr als zwei Jahrzehnten bei H/Advisors Deekeling Arndt ist sie seit Ende 2023 Leiterin Change-Kommunikation bei der FUNKE Mediengruppe in Essen.
Welche Fähigkeiten und Erfahrungen aus deiner Zeit in der strategischen Kommunikationsberatung haben sich für deine heutige In-house-Rolle als besonders wertvoll erwiesen?
Eine der wichtigsten Fähigkeiten aus meiner Zeit in der strategischen Kommunikationsberatung ist die geschulte Beobachtungsgabe. Ich habe gelernt, sehr genau hinzuschauen und zuzuhören: Wo passen Botschaften und gelebte Realität nicht zusammen, welche Fragen und Unsicherheiten liegen unausgesprochen im Raum? Das hilft mir heute, Stimmungen früh zu erkennen und Kommunikationsbedarfe gezielt zu adressieren.
Ebenso wichtig ist die Arbeit an sprachlicher Präzision. In einem Medienhaus, in dem alle professionell mit Sprache umgehen, fällt jede Unschärfe sofort auf. Klarheit, Differenzierung und Sorgfalt in der Formulierung sind deshalb zentrale Elemente der internen Change-Kommunikation.
Hinzu kommen meine Erfahrungen mit unterschiedlichen Branchen und Veränderungsprozessen. Sie helfen mir, typische Dynamiken, Widerstände und Fragen in den Transformationsphasen besser einzuordnen und Maßnahmen realistisch zu planen.
Das in Kombination mit einem sorgfältigen, umsichtigen Vorgehen bildet heute das Fundament meiner Arbeit bei FUNKE – gerade in einer Phase, in der sich unser Unternehmen und die gesamte Branche tiefgreifend verändern.
Die Veränderungen in der Medienbranche reichen von KI über neue Nutzungsgewohnheiten bis hin zu veränderten Geschäftsmodellen. Wo siehst du aktuell die größten Kommunikationsherausforderungen im Spannungsfeld zwischen journalistischem Auftrag und wirtschaftlicher Transformation?
Die größte Herausforderung besteht aus meiner Sicht darin, wirtschaftliche Notwendigkeiten transparent zu kommunizieren, ohne den journalistischen Auftrag zu relativieren. FUNKEs Leitspruch ist: Für eine offene und informierte Gesellschaft. Das ist das, wofür wir jeden Tag unser Bestes geben, in den Redaktionen und in den Verlagsbereichen. Unsere Mitarbeitenden wollen verstehen, wie die Veränderungen an ihren Arbeitsplätzen dazu beitragen, den journalistischen Auftrag langfristig zu sichern.
Das Berufsfeld der klassischen Journalist:innen verändert sich ja gerade grundlegend. Neue Nutzungsgewohnheiten, digitale Plattformen und KI-gestützte Prozesse verschieben Rollenbilder, Arbeitsweisen und Erwartungen. Entlang dieser Entwicklungen gilt es, unsere journalistische Qualität konsequent zu sichern, auch wenn Formate, Arbeitsabläufe und Ausspielwege sich stark wandeln. Das berührt das Selbstverständnis vieler Redakteur:innen: Was bedeutet „guter Journalismus“ in einer Welt von Push-Nachrichten, Social-Media-Logiken und datengetriebenen Entscheidungen?
Genau hier kann Kommunikation eine Brückenfunktion übernehmen: Sie schafft Räume, in denen unsere Redakteur:innen voneinander lernen, Erfahrungen teilen und gemeinsam neue professionelle Standards entwickeln. So entsteht ein gemeinsames Verständnis davon, wie man auf neuen Kanälen arbeitet, ohne die publizistische Haltung preiszugeben.
Kommunikation kann wesentlich dazu beitragen, dass wir verstehen und verinnerlichen: Die Veränderungen stehen nicht im Widerspruch zu unserem journalistischen Auftrag. Im Gegenteil, sie sind die Voraussetzung dafür, dass wir ihn auch in Zukunft erfüllen können – in veränderten Rollen, auf neuen Kanälen, aber mit demselben Anspruch an Qualität und Verantwortung.
Journalist:innen hinterfragen beruflich Narrative, Argumentationen und Interessenlagen. Welche Konsequenzen hat das für die Gestaltung von Change-Kommunikation in Medienhäusern?
Aus meiner Sicht ist entscheidend, kritische Nachfragen nicht als Hürde zu sehen, sondern als etwas völlig Natürliches. Journalist:innen sind es gewohnt, Aussagen zu hinterfragen, Argumente zu prüfen und unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. Diese Haltung übertragen sie auch auf ihr eigenes Unternehmen.
Deshalb funktioniert Change-Kommunikation in einem Medienhaus am besten über Transparenz: Hintergründe erklären, Perspektiven aufzeigen und deutlich machen, wie wir den Weg der Transformation gemeinsam gestalten wollen. Und nicht verschweigen, dass der Weg steinig sein kann. Das schafft mehr Glaubwürdigkeit, als Veränderungen einfacher erscheinen zu lassen, als sie sind.
Vertrauen entsteht, wenn Mitarbeitende merken, dass ihre Fragen ernst genommen werden und Dialog wirklich gewollt ist. Kritische Diskussionen kosten Zeit, führen aber meist zu besseren Entscheidungen und höherer Akzeptanz. Und es hilft enorm, wenn das Top-Management genau diese Haltung teilt und offen und nahbar ist. Glücklicherweise finde ich genau das bei FUNKE vor.
Am Ende unterscheidet sich die Kommunikation mit Journalist:innen weniger von anderen Zielgruppen, als wir vielleicht denken. Die Erwartungen an Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Glaubwürdigkeit sind nur besonders hoch. Wer sie erfüllt, hat bereits einen wichtigen Beitrag geleistet.
Mehr zu Silke Schilz auf LinkedIn.