Wir sind seit 30 Jahren eine feste Größe im deutschen Markt für strategische Kommunikation. Im Lauf unserer Firmengeschichte haben viele Kolleg:innen in Unternehmen, Verbände, Institutionen, Start-ups oder andere Beratungen gewechselt. Zu vielen von ihnen pflegen wir seit Jahren kollegialen, freundschaftlichen Kontakt. Ab jetzt fragen wir alle sechs Wochen eine:n von ihnen: Was beschäftigt dich derzeit? Was sind deine Themen?
Dieses Mal beantwortet unser ehemaliger Kollege Lucas Wintgens unsere Fragen. Nach seiner Zeit als Berater bei H/Advisors Deekeling Arndt von 2016 bis 2018 ist er Düsseldorf treu geblieben: Seit mittlerweile sieben Jahren ist er bei Uniper tätig und verantwortet dort heutzutage als Head of CEO Communication & Corporate Messages unter anderem die interne und externe Kommunikation des CEO.
1. Du hast Uniper durch Energiekrise, staatliche Stabilisierung und strategische Neuaufstellung begleitet. Was hast du in dieser außergewöhnlichen Zeit darüber gelernt, wie Kommunikation auch unter hohem Druck Vertrauen schaffen und langfristig festigen kann?
Was ich in dieser Zeit vor allem gelernt habe, ist, dass Vertrauen lange vor einer Krise entsteht und kontinuierlich gepflegt werden muss. Entscheidend sind belastbare Beziehungen zu den unterschiedlichen Stakeholdern, extern wie intern. Gerade in Phasen großer Unsicherheit kommt es auf Konsistenz und Transparenz an. Man muss erklären können, warum Dinge aus Unternehmenssicht so sind, wie sie sind, und auch offen sagen, wenn sich Entwicklungen noch nicht abschließend bewerten lassen. Gute Kommunikation bedeutet dann, Orientierung zu geben, ansprechbar zu bleiben und dafür zu sorgen, dass die Fakten stimmen. Vertrauen entsteht aus meiner Sicht vor allem dann, wenn Kommunikation auch unter Druck verlässlich und nachvollziehbar bleibt.
2. Uniper verbindet Versorgungssicherheit mit dem Anspruch, die Transformation des Energiesystems voranzutreiben. Wie gelingt es, diese komplexe Rolle verständlich zu vermitteln und Uniper glaubwürdig als Gestalter der Energiewende zu positionieren?
Für Uniper sind Versorgungssicherheit und Transformation keine Gegensätze. Im Gegenteil: Eine sichere Energieversorgung ist die Grundlage dafür, dass die Transformation des Energiesystems gelingen kann. Kommunikativ kommt es für mich darauf an, diesen Zusammenhang verständlich zu erklären, ohne die bestehenden Zielkonflikte zu vereinfachen oder auszublenden. Glaubwürdigkeit entsteht, indem wir konkret zeigen, welchen Beitrag Uniper heute leistet – und wie wir diesen Beitrag für das Energiesystem von morgen weiterentwickeln.
3. Aus der Beratung kennst du den Anspruch, unterschiedliche Stakeholder genau zu verstehen und passgenau anzusprechen. Was hilft dir heute dabei, komplexe Themen für verschiedene Zielgruppen verständlich zu machen und gleichzeitig eine klare Kommunikationslinie für Vorstand und Unternehmen zu wahren?
Die Beratung war für mich eine hervorragende Schule, um mich schnell in neue Themen einzuarbeiten und unterschiedliche Zielgruppen mitzudenken. Insbesondere wenn man sich schon länger intensiv mit einem Thema beschäftigt hat, besteht die eigentliche Herausforderung darin zu überlegen: Was versteht meine Zielgruppe und was ist für sie wirklich relevant? Was interessiert sie? Es geht darum, komplexe Inhalte verständlich zu übersetzen und gleichzeitig einen klaren narrativen Rahmen zu wahren. Dabei sollte man nicht für jede Zielgruppe eine neue Geschichte erzählen. Der Kern muss derselbe bleiben – Kontext, Schwerpunkt und Sprache können sich unterscheiden. Entscheidend ist, dass die einzelnen Botschaften aufeinander aufbauen und in dieselbe Richtung wirken. Nur wenn alle Kommunikationsmaßnahmen auf eine gemeinsame strategische Erzählung einzahlen, entsteht ein konsistentes und glaubwürdiges Gesamtbild.
Mehr zu Lucas Wintgens auf LinkedIn.