Wir sind seit 30 Jahren eine feste Größe im deutschen Markt für strategische Kommunikation. Im Lauf unserer Firmengeschichte haben viele Kolleg:innen in Unternehmen, Verbände, Institutionen, Start-ups oder andere Beratungen gewechselt. Zu vielen von ihnen pflegen wir seit Jahren kollegialen, freundschaftlichen Kontakt. Ab jetzt fragen wir alle sechs Wochen eine:n von ihnen: Was beschäftigt dich derzeit? Was sind deine Themen?
Den Anfang macht Christopher Sieler, Global Head of Political Engagement and Analysis bei der Syngenta Group. Er war 2010-2012 und 2017-2019 bei H/Advisors Deekeling Arndt. Wir freuen uns, dass er sich bereit erklärt hat, ein paar Fragen zu beantworten und uns einen Einblick in seinen beruflichen Alltag zu geben.
Welche Erfahrungen aus der strategischen Kommunikationsberatung sind für eine In-house-Position hilfreich?
Nach sechs Jahren in-house kann ich sicher sagen: Die Beratung hat mir drei essenzielle Fähigkeiten vermittelt – Komplexität beherrschen, Konflikte moderieren und Handlungsoptionen auch unter Zeitdruck zu entwickeln. In-house ist die Zeit für ausführliche Analysen oft knapp. Hier zählt die Fähigkeit, schnell zu tragfähigen Entscheidungen zu kommen. Die Beratung war dafür die perfekte Schule, an die ich wirklich noch häufig denke.
Die Agrarchemie-Branche steht anhaltend unter öffentlichem Druck. Wo siehst du künftig die großen Herausforderungen?
In Europa verläuft die Entwicklung der Agrarchemie-Branche deutlich anders als im Rest der Welt. Die regulatorischen Hürden sind hier wesentlich höher. Das zeigt sich schon daran, dass nur jede sechste Innovation den Weg auf den europäischen Markt findet und die Rendite hier 30 Prozent unter dem weltweiten Durchschnitt liegt. Diese Entwicklung wird die europäische Landwirtschaft nachhaltig prägen. Gleichzeitig stehen wir global vor der immensen Aufgabe, scheinbar Unvereinbares zusammenzubringen: Wir müssen die Biodiversität schützen, dem Klimawandel begegnen und zugleich die landwirtschaftliche Produktivität steigern. Diese Balance zu finden, wird unsere zentrale Herausforderung der kommenden Jahre sein.
Du warst mehrere Jahre Leiter des Hauptstadtbüros von Syngenta in Berlin. Was reizt dich jetzt an deiner globalen Rolle?
Der Wechsel von der deutschen Hauptstadt in eine globale Rolle eröffnet mir völlig neue Perspektiven. Plötzlich beschäftige ich mich mit Reisanbau in Thailand oder Bodenerosion in Brasilien – Themen, die in Berlin kaum eine Rolle spielten. Besonders spannend ist dabei die veränderte Dimension der Public-Affairs-Arbeit: Ohne Weltregierung, aber mit einer Vielzahl internationaler Organisationen entstehen hier ganz neue Dynamiken. Hinzu kommt die wachsende Bedeutung geopolitischer Analyse, die einen großen Teil meines Alltags einnimmt. Ein globales Unternehmen mit 60.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch die zunehmenden internationalen Spannungen zu navigieren, ist eine faszinierende Aufgabe, die mich jeden Tag aufs Neue fordert und begeistert.
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