Es ist ein starkes Signal, dass Deutschland aktuell über vier ernsthafte Bewerberkonzepte für Olympische Spiele verfügt und die Begeisterung bis in höchste politische Ebenen reicht. Genau darin liegt die eigentliche Chance. Olympische Spiele sind längst mehr als ein zweiwöchiges Sportereignis. Sie sind ein strategisches Instrument, um wirtschaftliche Entwicklung, Infrastrukturmodernisierung und regulatorische Rahmenbedingungen neu auszurichten.
Wie sich Olympia konkret dafür nutzen lässt, zeigen die Vorbereitungen auf die Winterspiele in den French Alps 2030, die stark auf den Erfahrungen von Paris 2024 aufbauen. Frankreich nutzt Olympia gezielt als wirtschaftspolitisches Steuerungsinstrument: Rund 2,4 Milliarden Euro Beschaffungsvolumen werden frühzeitig in den Markt gegeben, mehr als die Hälfte davon für kleine und mittlere Unternehmen. Über Plattformen wie „Marchés 2030“ und Formate wie „Meet the Buyers“ werden Unternehmen früh eingebunden und strategisch positioniert.
Olympische Bewerbungsprozesse als Entscheidungsfenster für Deutschland
Auch für Deutschland öffnen olympische Bewerbungsprozesse ein zeitlich klar begrenztes, aber hochwirksames Entscheidungsfenster, in dem Investitionsprioritäten, regulatorische Rahmenbedingungen und politische Aufmerksamkeit neu verteilt werden. In dieser Phase entscheidet sich, welche Akteure Zugang zu Projekten, Budgets und Gestaltungsspielräumen erhalten. Gleichzeitig entsteht ein neuer sektorübergreifender Handlungsraum, in dem Sportverbände und -ligen (auch jenseits der etablierten olympischen Disziplinen), Infrastruktur- und Bauwirtschaft, Mobilitätsanbieter, Tourismus, Plattformökonomie sowie die Gesundheitswirtschaft aufeinandertreffen und gemeinsame Entwicklungsimpulse setzen.
Handlungsauftrag #Olympiaistmehr: Regulatorische Chancen für Wirtschaft und Verbände
Für Unternehmen und Verbände eröffnet ein olympischer Bewerbungsprozess einen besonderen Resonanzraum, um eigene regulatorische Anliegen wirksam zu platzieren:
- In der Bau- und Immobilienwirtschaft ließen sich etwa beschleunigte und vereinheitlichte Planungs- und Genehmigungsverfahren etablieren, begünstigt durch politisch getragene, feste Zeitachsen.
- Der Tourismus- und Vermietungssektor erhält einen legitimen Ansatzpunkt, um praktikable Sonderregelungen für temporäre Bedarfe, hybride Nutzungen sowie digitale Melde- und Registrierungsverfahren unter Realbedingungen zu erproben.
- Mobilitäts- und Logistikanbieter wiederum können neue Spielräume für multimodale Konzepte in einem hochrelevanten Anwendungsfall erschließen.
Entscheidend ist: Olympia schafft einen politisch positiv aufgeladenen Ausnahmezustand, in dem Abweichungen vom Status quo nicht nur möglich, sondern ausdrücklich erwünscht sind. Wer jetzt konkrete Vorschläge formuliert, ihren gesellschaftlichen Mehrwert klar benennt und sie strategisch in den politischen Diskurs einspeist, kann regulatorische Weichen dauerhaft mitstellen.
Olympia wird so zum Katalysator für strukturelle Verbesserungen weit über das sportliche Ereignis hinaus. Sich mit Konzepten, Partnern und Geschäftsideen im gesellschaftspolitischen Diskurs einzubringen, lohnt sich daher gleichermaßen für kleine und mittelständische Unternehmen wie für Konzerne.
Dennis Meyer
Director
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