Die ersten 100 Tage einer neuen Regierung sind in der Regel eine Karenzzeit – 100 Tage wird ihr gegeben, um einen neuen Kurs zu bestimmen, sich einzurichten, Prioritäten zu setzen und die offenen Themen eines Koalitionsvertrags in konkrete Maßnahmen und Initiativen zu überführen. Diese sind nun vorbei.
Heute muss alles schneller gehen
Seit Mai arbeitet die neue Koalition unter Hochdruck, um ihren Booster für die Wirtschaft voranzutreiben. Von einer Karenzzeit keine Spur. Die Geschwindigkeit ist rasant, die Erwartungen sind hoch, die Terminkalender voll.
Und die Bundesregierung liefert: Mit ihrem Sofortprogramm sind die Weichen gestellt, mit dem neuen Haushaltsentwurf ist die Finanzierung abgestimmt, ab September folgt der Feinschliff.
Kommunikation unter Erwartungsdruck
Die öffentliche Debatte über die gemischte 100-Tage-Bilanz der Regierung Merz zeigt: Bei hohen Erwartungen an die Lieferfähigkeit der Führung steigt auch der Anspruch an die Kommunikation. Und hier beginnt der Ärger: Friedrich Merz hat die Wahlen mit Innenpolitik gewonnen, seine Kanzlerschaft aber mit Außenpolitik begonnen. Ob bei Regierungen oder in Unternehmen – die Diskrepanz zwischen gesetzten Erwartungen und dem tatsächlich Gelieferten führt zwangsweise zu erhöhtem Erklärungsbedarf.
Sichtlich bemüht hat sich die Koalition daher, frühzeitig politisch zu punkten und positive Stimmung zu verbreiten. Ein Selbstläufer ist das nicht – auch Unternehmen müssen da mit anpacken.
100-Tage-Politikprogramm für Unternehmen
Wenn nicht schon geschehen, sollten Unternehmen und Organisationen ihre 100-Tage-Pläne festlegen und definieren, wie sie die neue Dynamik für sich nutzen können.
Denn der neue Finanzspielraum der Bundesregierung muss auch in konkrete Projekte münden. Die steuerlichen und rechtlichen Erleichterungen sollen helfen, neue, innovative Ideen umzusetzen, die beschleunigten Verfahren die Mittelumsetzung realisieren.
Das viele Geld, das zur Verfügung gestellt wird, soll genutzt werden. Da kann auch schon die Nähe zum eigenen Wahlkreisabgeordneten helfen, um Wege für die Nutzbarmachung zu finden.
Zum richtigen Zeitpunkt die politische Agenda ansteuern
Die Kalender der politischen Entscheidungsträger:innen sind voll, sehr viele Akteure wollen sich gerade jetzt und so schnell wie möglich für ihr Anliegen einen Platz auf der Agenda sichern. Ganz wichtig, um nicht in der Masse unterzugehen: Definieren Sie Ihr Anliegen so, dass es zeitlich, inhaltlich und nachhaltig zur neuen Dynamik der Bundesregierung passt.
Suchen Sie den geeigneten Zeitpunkt, zu dem Ihr Anliegen eine Chance hat, bearbeitet zu werden. Denn die Politik ist ein ökonomisches Wesen und Zeit ist kostbar: Was nicht unmittelbar relevant ist, rutscht nach hinten und wird – wenn überhaupt – erst später angegangen. Prüfen Sie also, wann Ihr Anliegen auf der politischen Agenda erwartet wird – und sichern Sie sich bis dahin weitere Unterstützer:innen, die Sie beim Austausch mit der Politik begleiten können.
Treten Sie in den Dialog mit der Politik
Richten Sie Ihr Anliegen an die Ministerialbürokratie und an Abgeordnete und zeigen Sie dabei, wie Sie mit Ihren Lösungen und Forderungen zum größeren Ziel beitragen können: schnell und wirksam Wachstum zu schaffen. Wenn Sie fordern, machen Sie auch deutlich, was Sie liefern. Die Zeit des Lamentierens ist vorbei, nun sollten alle an einem Strang ziehen und durch positive Kommunikation den eigenen Beitrag hervorheben.
Helfen Sie dabei, Mehrheiten zu begeistern
Starke Daten und Fakten bilden die Grundlage für jedes Argument und tragfähige Anliegen. Dabei wird häufig vergessen: Daten und Fakten sind ein Hygienefaktor – wenn sie nicht stimmen, wird Ihr Anliegen, wird Ihre Kommunikation gegenüber der Politik und Stakeholdern nicht erfolgreich sein.
Deshalb gilt für eine nachhaltig erfolgreiche Kommunikation im politischen und vorpolitischen Raum: Setzen Sie Ihre wertvollen Daten und Fakten um in kreative, emotional ansprechende Formate, die auf verschiedenen Kommunikationskanälen funktionieren, die von vielen unterstützt und auch von der Politik mitgetragen werden. So schaffen Sie Mehrheiten für Ihr Anliegen und Erfolg für Ihre Unternehmung.
Bernd Buschhausen, Managing Director
H/Advisors Deekeling Arndt