Unternehmen weltweit arbeiten an der Reduktion ihrer Emissionen – Klimaneutralität ist zum Standardziel geworden. Doch die Realität holt uns ein: Ein Temperaturanstieg lässt sich nicht mehr vollständig verhindern. Hitze, Dürre, Starkregen und Wasserknappheit treffen zunehmend auch Europa. Damit wächst die Bedeutung eines neuen Erfolgsfaktors – Klimaresilienz, also die Fähigkeit, den unvermeidbaren Folgen des Klimawandels standzuhalten und darauf vorbereitet zu sein.
Klimawandel als Standortfaktor
Wasser wird zum knappen Gut – und damit zur ökonomischen und gesellschaftlichen Konfliktlinie. Unternehmen stehen in Konkurrenz zu Gemeinden, Landwirtschaft und Bevölkerung. Folgen sind Produktionsstopps, Lieferengpässe oder Standortverlagerungen. Branchen wie Chemie, Lebensmittelproduktion oder Halbleiterindustrie spüren den Druck bereits deutlich. Beispiele wie BASF, das für Niedrigwasser neue Schiffskonzepte entwickelt, oder Google, das in Brandenburg kein Rechenzentrum errichten konnte, zeigen: Anpassungsfähigkeit wird zum Standortvorteil. Klimaresilienz entscheidet zunehmend über Wettbewerbsfähigkeit und Investitionen.
Politik und Wirtschaft reagieren
Die Bundesregierung hat mit dem Klimaanpassungsgesetz einen Rahmen geschaffen, den Länder wie Nordrhein-Westfalen mit eigenen Maßnahmen konkretisieren – etwa durch einen 15-Punkte-Plan zur Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen. Ziel ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen, Verwundbarkeit zu reduzieren und Vorsorge in strategische Entscheidungen zu integrieren. Für Unternehmen heißt das: Klimaresilienz wird Bestandteil der Unternehmensstrategie und zugleich wichtiges Signal an Kapitalmarkt und Stakeholder – „Climate Risks Mitigation“ wird zum Markenzeichen verantwortungsvoller Führung.
Kommunikation schafft Vertrauen
Mit wachsender Komplexität steigen die Anforderungen an die Kommunikation. Unternehmen müssen auf Basis fundierter Risikoanalysen und Szenarien glaubwürdig zeigen, wie sie sich anpassen. Entscheidend sind:
- Transparenz über Risiken, Maßnahmen und Fortschritte
- Dialogfähigkeit gegenüber Politik, Gesellschaft und Kapitalmarkt
- Konsistenz zwischen Nachhaltigkeitszielen und realer Umsetzung
So entsteht Vertrauen – intern wie extern. Klimaresilienz bedeutet nicht Kapitulation, sondern strategische Weitsicht. Denn Klimaneutralität und Klimaresilienz sind die zwei Seiten einer nachhaltig erfolgreichen Unternehmensführung.
Cathrin Sengpiehl, Managing Director
H/Advisors Deekeling Arndt